Es lohnt sich, für freiheitliche Demokratie zu kämpfen - Zeitzeugenbericht am Gymnasium Sonthofen mit einem Helden

„Terrorismus sollte wissen, mit uns geht das nicht! Die Devise muss bleiben, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und uns für unsere freiheitlichen-demokratischen Werte leidenschaftlich einsetzen!“, betont Aribert Martin mit entschlossenem Blick. Der ehemalige Beamte der Eliteeinheit GSG9 hat es sich zur Aufgabe gemacht, an Schulen vom Linksterrorismus des sogenannten „Deutschen Herbstes 1977“ und der Befreiung der Geiseln der Lufthansamaschine „Landshut“ in Mogadischu zu berichten, an deren Rettung er als 21-jähriger aktiv beteiligt war. Der Vortrag war weitaus mehr als eine Geschichtsstunde: „Das war richtig interessant!“, „So etwas sollten wir öfters machen – da lernt man viel“, war die einhellige Meinung der Jugendlichen, die Martins detaillierten Schilderungen der damaligen Schrecken des linksextremen RAF-Terrors und der Entführung des Mallorca-Urlauberflugzeuges gebannt lauschten.
Drahtig-trainiert, mit wachen Augen, denen nichts zu entgehen schein, steht Martin in der Aula des Gymnasiums. Seine Erklärungen beeindruckten die zehnten und elften Klassen des Sonthofer Gymnasiums, die anschließende Diskussionsrunde liegt Martin sehr am Herzen. Helden seien er und seine damaligen Kollegen nicht, erklärt er bescheiden, sie hätte mit der Befreiung nur ihren Job gemacht.
„Eigentlich waren wir von der GSG9 auf der dringlichen Suche nach dem von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer. Dann wurden wir umgehend abkommandiert und flogen der „Landshut“ hinterher.“ Frankfurt, Italien, Zypern, Jemen, Dubai – Martin beschreibt die Tankstopps der über vier Tage immer aggressiver werdenden Entführer. „Sengende Hitze in Dubai. Wir wussten, im Flugzeug war seit Tagen die Klimaanlage ausgefallen. Die 86 Geiseln hatten nichts zu trinken, keine Toiletten! Dem Piloten wurde vor Augen aller in den Kopf geschossen.“ Letzter Stopp war Somalia. Zur damaligen Zeit hatte man keine weiteren Karten an Bord, kein GPS. „Die palästinensischen Entführer haben die Menschen gefesselt, mit Alkohol übergossen, wollten die Maschine sprengen, um inhaftierte RAF-Terroristen freizupressen. Da haben wir am 17. Oktober nachts das Flugzeug gestürmt,“ wenn Martin erzählt spürt man die Gefahr. An „die staunenden, verängstigen Gesichter der Geiseln, die nach meinen Worten: ‚Ich gehe jetzt noch ein Stück nach vorne, ihr müsst alle hinter mir raus!‘, auf allen Vieren wieselschnell zur hinteren linken Tür flüchteten, das Explodieren einer Handgranate unmittelbar neben mir“, erinnert er sich noch heute.
Resilienz, also psychische Widerstandsfähigkeit sei entscheidend gewesen, die sogenannte „Performance-High“ Ausrichtung. Diese habe er schon als Kind entwickelt, auf dem kilometerlangen Schulweg alleine durch den Schnee, und später in der Ausbildung beim Bundesgrenzschutz und der „knüppelharten“ Spezialausbildung der GSG9. Sehr respektvoll spricht er vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, als dessen Personenschützer er auch gearbeitet hatte: „Ein harter Hund, unnachgiebig nach den vielen Morden der Terroristen.“ Für Martin war der „Deutsche Herbst“ ein Schlüsselpunkt in der Geschichte der Bundesrepublik. „Bei meinen Vorträgen kommt natürlich meine „lebende Person“ in den Mittelpunkt der jugendlichen Betrachter. So können Schülerinnen und Schülern gewisse Dinge in einer „situativen Aufmerksamkeit“ erlernen.“ Den Sonthofer Gymnasiasten gibt er seine Lehren mit: „Den Menschen kann nichts Besseres passieren, als Vorbilder zu haben, die auch unangenehme Entscheidungen treffen müssen. In diesem Punkt dürfen wir nicht nachgeben und müssen uns bemühen, Menschen für diese Haltung zu begeistern. Es lohnt sich für eine freiheitliche Demokratie zu kämpfen.“
Autorin: Inga Stracke
