
Osteuropa-Austausch: Unsere polnische Austauschgruppe aus Radom im 7. Himmel über den Allgäuer Alpen
Einer über drei Jahrzehnte langen Tradition folgend, waren in der letzten Septemberwoche zwölf Jugendliche und ihre beiden Lehrerinnen aus Polen bei uns zu Gast im Allgäu, um sich zusammen mit elf deutschen Schülerinnen und Schülern und dem vierköpfigen deutschen Lehrerinnen-Team vor Ort über Kultur, Gepflogenheiten und Geschichte der beiden Nachbarländer auszutauschen.
Bei wunderschönstem Wetter genossen unsere Gäste zum einen die Gastfreundschaft und verschiedenste Unternehmungen in den Familien in und um Sonthofen, zum anderen ein interessantes und vielseitiges Austauschprogramm: deutsch-polnisches Kochen in der Schulküche, Ausflüge nach Kempten, München und Ulm, verschiedene Ausstellungen zu anspruchsvollen Themen der deutsch-polnischen Vergangenheit, und nicht zuletzt eine unvergessliche Wanderung auf den Hochgrat mit Übernachtung im Staufner Haus.
Wen wundert es, dass beim Abschluss-Feedback die Hüttenübernachtung für nahezu alle das Highlight schlechthin war, ermöglichte doch das Kaiserwetter absolute Traumblicke in die umliegende Bergwelt, und hatten es doch alle auf den Gipfel (1834m) geschafft – für manche eine ganz schöne Herausforderung!




Auf eine andere Art herausfordernd waren die drei Ausstellungen, die wir im Laufe der Woche besuchten.
Die aktuelle Sonderausstellung im Sonthofer AlpenStadtMuseum „Butter, Vieh, Vernichtung – Nationalsozialismus und Landwirtschaft im Allgäu“ beleuchtet nicht nur die Verflechtung von Agrarsektor, Ernährungspolitik und nationalsozialistischer „Blut-und-Boden“ Ideologie. Die Kuratorin der Ausstellung, Frau Dr. Veronika Heilmannseder, informierte uns auch darüber, dass regionale Lebensmittel für die Wehrmacht genutzt wurden und polnische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter auf Allgäuer Bauernhöfen arbeiten mussten. Der Großonkel einer der polnischen Lehrerinnen durfte allerdings im Rahmen seiner Zwangsarbeit Gutes erfahren – er hatte zurück in der Heimat berichtet, „dass er vom Bauern – anders als andere – wie ein Sohn behandelt worden sei“. So machten verschiedene persönliche Geschichten und auch Schicksale aus der Region Geschichte für die Jugendlichen greifbar.


Das NS-Dokumentationszentrum München setzt sich mit der schwierigen Vergangenheit der bayerischen Hauptstadt auseinander – Standort des ‚Braunen Hauses‘, der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP. Eine deutsche und eine polnische Führung und die sehr kurzweilige Ausstellung halfen uns dabei, München als „Täterstadt“ in neuem Licht und die historischen Erfahrungen der nationalsozialistischen Diktatur in einem aktuellen und globalen Zusammenhang zu betrachten.
Zum Schluss erfuhren wir in Ulm ein weiteres Mal, was es bedeuten kann, anders zu sein, anders zu denken, anders zu handeln – im Guten wie im Bösen. Die Dauerausstellung „Ulmer DenkStätte Weiße Rose: Ulmer Jugendopposition im Nationalsozialismus“ im Einsteinhaus (Ulmer Volkshochschule) schafft es, Mut zu machen, obwohl oder gerade weil das Schicksal der gebürtigen Ulmer Hans und Sophie Scholl immer wieder erschüttert. „Einmischung erwünscht“ – das Gründungskonzept der VHS spricht für sich selbst.

Stadtrundgänge in Kempten, München und Ulm sowie die Besichtigung der Allianz-Arena rundeten das kulturelle Programm ab – wobei in München ein Blick Richtung Oktoberfest natürlich nicht fehlen durfte. In vielen Gesprächen während der Zugfahrten und bei geselligem Beisammensein konnten sich alle besser kennen zu lernen, teils in Deutsch, aber vor allem mittels Englisch.




Kulinarisch hatte der Besuch auf höchstem Niveau begonnen – gemeinsames Zubereiten von polnischen Pierogi mit Kartoffel-Quark und Sauerkraut-Pilz Füllungen UND Kaiserschmarrn, typisch für die Alpenregion in Bayern.
Beim Abschlussessen im Restaurant „Hans im Glück“, einem deutschen Unternehmen mit Sitz in München, feierten wir das Zusammenwachsen unserer Gruppe und den wirklich gelungenen Austausch.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit in Polen im April 2027.

Wir im Glück – Danke für das gute Miteinander. Dziękuję!
Do zobaczenia w Polsce!